Geduld und Langmut

Das Wort Geduld (auch Langmut) bezeichnet die Fähigkeit, warten zu können. Geduldig ist, wer ungestillte Sehnsucht und unerfüllte Wünsche aushalten kann, ohne der erstbesten Gelegenheit zu ihrer Befriedigung nachzugeben. sondern zu warten, bis sich die beste Gelegenheit ergibt. Als duldsam bezeichnet man jemanden, der Schwierigkeiten und Leiden mit Gelassenheit und Standhaftigkeit erträgt, was nicht selten als Schwäche angesehen wird. In der Regel aber gilt Geduld als eine Tugend, anders als ihr Gegenteil die Ungeduld. Das Wort Langmut legt nahe, daß es hierfür Mut braucht, nicht nur kurz sondern lange und ausdauernd. Das alte Sprichwort sagt: „Gut Ding will Weile haben!“

Von den Schnecken lernen

Den ganzen Weg
am eigenen Leibe
kühl wie der Kiesel
und feucht wie der Lehm
ziehn sie die Bahn
ganz langsam voran
Das uralte Meer
Sind sie gefahren
blinzeln durch Blätter
bei den Wurzeln des Weins
ihr Haus ohne Wände
ist schon Legende
Sie hören das Gras
Ganz leise wachsen
Sie dürsten nach Tau
Und Perlen aus Licht
Sie sind stets ausgeruht
und lang währt ihr Mut

Sie nehmen sich wahr mit zarten Fühlern
sie nehmen sich Zeit beim Liebespiel
wenn wir beide längst fort
sind sie immer noch dort

Wiederentdeckung der Langsamkeit

Allmählich – ganz langsam, versteht sich – beginnen Menschen, umzudenken: Es gibt Städte in Deutschland, die langsamer werden wollen. Die Stadt Hersbruck in Mittelfranken zum Beispiel, eine halbe Stunde nordöstlich von Nürnberg gelegen, hat sich 2001 der aus Italien kommenden Vereinigung „Cittaslow“ angeschlossen. Langsam steht für Entschleunigung zugunsten gesteigerter Lebensqualität – für die Rückbesinnung auf regionale Kreisläufe. Keine langen Transportwege quer durch die Welt.

In der 12.500-Einwohner-Stadt fahren vier Erdgasbusse, für die es im Ort eine Erdgastankstelle gibt. Das Thermalbad wird mit Hackschnitzeln aus eigener Herstellung beheizt. Die Menschen in Hersbruck wollen sich aufmerksamer und sorgfältiger werden und Zeit wieder als Qualität, als ein hohes Gut wahrnehmen. Schon liegen der deutschen Sektion von „Cittaslow“ weitere Bewerbungen vor.

Neben Hersbruck erfüllen bisher Waldkirch und Überlingen die Bedingungen von „Cittaslow“

Info: http://www.citta-slow.de/

Seit 320 Millionen Jahren ausgestorben – aber quicklebendig

Lange vor den Dinosauriern gab es Weichtiere, zu denen auch die Schnecken gehören. Erste Schnecken lebten bereits vor 500 Millionen Jahren auf der Erde – Dinosaurier hingegen gab es erst etwa 350 Millionen Jahren später.  Es gibt etwa 43.000 Schneckenarten, die zwischen einem Millimeter und über einem Meter groß sind. Sie leben an Land, im Meer und in Flüssen und Seen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Schnecken

Sprichworte zu Langmut und Geduld mit F – G

    • Fehler entstehen durch Hast – deshalb tue niemals etwas in Unruhe (Chinesisches Sprichwort)
    • Geduld, auch wenn sie unmöglich erscheint, das ist wahre Geduld. (Japanisches Sprichwort)
    • Geduld ist das Ausdauertraining für die Hoffnung. (Gerhard Uhlenbruck, Spitze Spritzen – spritzige Spitzen, S. 28 )
    • Geduld ist der Schlüssel zur Freude. (Sprichwort aus Arabien)
    • Geduld ist die Tugend der Esel.  (Sprichwort aus Frankreich)
    • Geduld ist ebenso schmachvoll wie Eile: Beide sind Furcht. (Walther Rathenau, Auf dem Fechtboden des Geistes. Aphorismen aus seinen Notizbüchern)
    • Geduld ist eine Tugend des Indianers und bringt einem christlichen Weißen keine Schande. (James Fenimore Cooper, Die Prärie )
    • Geduld ist ein verborgener Schatz der Seele.  (Publilius Syrus, Sententiae 456 )
    • Geduld, Überlegung und Mut, das sind die besten Waffen im Kampfe des Lebens. Daure aus, mein Bester, und warte die Erfolge Deiner wohlüberdachten Bestrebungen ruhig ab. (Nikolai Abramowitsch Putjatin, Worte aus dem Buch der Bücher, hrsg. von A.W. Tappe, Dresden 1824, S. 50)
    • Gelassenheit erlangt man nur in der Besinnung auf das Wesentliche. (Georg Moser)
    • Große Seelen dulden still. (Friedrich von Schiller)

Die Entdeckung der Langsamkeit

Sten Nadolny gelang mit seinem zweiten Roman „Die Entdeckung der Langsamkeit“ (1983) über die gescheiterte Expedition des britischen Seeoffiziers John Franklin zur Entdeckung der Nord-West-Passage der Durchbruch als Schriftsteller.

Inhalt: Der Roman erzählt das Leben des englischen Seefahrers und Nordpolforschers John Franklin (1786-1847), der schon als Jugendlicher an Seeschlachten teilnahm (Kopenhagen 1801, Trafalgar 1805). Sein Lebensziel war die Entdeckung der Nord-West-Passage nördlich des Nordamerikanischen Festlandes, der Verbindung von Atlantik und Pazifik. Nach zwei Arktisexpeditionen war Franklin kurzzeitig Gouverneur in Australien, bevor er auf der dritten Forschungsreise einen Schlaganfall erlitt und mit seiner Mannschaft im ewigen Eis starb.

Die Entdeckung der Langsamkeit ist zugleich Abenteuer- wie Entwicklungsroman. Nadolny greift die biografischen Fakten aus dem Leben Franklins auf, ergänzt das Porträt des Kapitäns jedoch um einen wesentlichen Punkt: Franklin ist ein langsamer Mensch, im Denken, Sprechen und Handeln, eigentlich zu langsam für die moderne Zeit der industriellen Revolution. Die vermeintliche Schwäche des Außenseiters wird jedoch als Ausdauer, Gründlichkeit und Gelassenheit zur Stärke.

Franklin entzieht sich der Beschleunigung des Zeitalters und setzt ihr seine Haltung und Anschauung entgegen, nach der jedes Individuum seinen Fähigkeiten entsprechend einen sinnvollen Beitrag zur Gesellschaft leisten kann. Damit ist er zugleich Kritiker der modernen Zivilisation wie als Forscher deren typischer Vertreter. Franklins Langsamkeit erscheint geradezu als Voraussetzung für eine humane Gesellschaft, getragen vom Respekt der Menschen untereinander und einem verantwortungsvollen Umgang.

Sein Prinzip bewährt sich sowohl auf der Polarexpedition wie in der Liebe. Zum Scheitern verurteilt ist lediglich sein Versuch, sein Vorgehen als Gouverneur einer Strafkolonie in der Politik einzuführen. Dennoch bleibt letztlich die Botschaft, dass seine umsichtige, bedächtige Art zum Frieden zwischen den Menschen und Völkern beiträgt.

Wirkung: Bereits drei Jahre vor Veröffentlichung des Romans verlieh die Klagenfurter Jury Nadolny für das fünfte Kapitel den Ingeborg-Bachmann-Preis. Die Entdeckung der Langsamkeit gilt bei Kritik und Publikum als das beste Werk des Autors und wurde in alle Weltsprachen übersetzt.

Der Autor: Nadolny, Sohn des Autorenpaars Isabella und Burkhard Nadolny, studierte Geschichte und Politikwissenschaft in Tübingen, Göttingen und Berlin. 1976 promovierte er mit einer Arbeit über „Abrüstungsdiplomatie in der Weimarer Republik“. Seine Tätigkeit als Studienrat gab er bereits 1977 wieder auf und arbeitete anschließend als Aufnahmeleiter beim Film. Nadolny plante eine Karriere als Regisseur, bevor er 1980 freier Schriftsteller wurde.

Auf der Grundlage eines von ihm verfassten Drehbuchs entstand sein erster Roman „Netzkarte“ (1981), der die großen Erwartungen der literarischen Öffentlichkeit nach dem Gewinn des Ingeborg-Bachmann-Preises 1980 etwas enttäuschte.

Sten Nadolny – * 29.7.1942 in Zehdenick / Havel Nach „Die Entdeckung der Langsamkeit“ gelangen Nadolny mit „Selim oder die Gabe der Rede“ (1990) und „Ein Gott der Frechheit“ (1994) weitere Publikumserfolge.

Quelle: Harenberg – Das Buch der 1000 Bücher, Meyers Lexikonverlag

Memento Mori

Ein Mensch, von Arbeit überhäuft,
indes die Zeit von dannen läuft,
hat zu erledigen eine Menge,
und kommt, so sagt man, ins Gedränge.

Inmitten all der Zappelnot
trifft ihn der Schlag, und er ist tot.
Was grad so wichtig noch erschienen,
fällt hin: Was bleibt von den Terminen?
Nur dieser einzige zuletzt:
Am Mittwoch wird er beigesetzt –
und schau, den hält er pünktlich ein,
denn er hat Zeit jetzt, es zu sein.

Eugen Roth

Fahrrad und Wandern – Lied eines Unmodernen

Heutzutage machen einige Zeitgenossen die “ Entdeckung der Langsamkeit „, vor nicht einmal hundert Jahre war es die “ Entdeckung der Geschwindigkeit “ , wie das folgende Lied verdeutlicht, das etwa um 1900 entstanden sein dürfte. Gefunden habe ich es im Liederbuch der freien Turner (1913):

Lied eines Unmodernen

Wie ist es doch im Mühlengrunde
so einsam heute und so still
Ob denn in schöner Morgenstunde
kein Mensch mehr richtig wandern will
Wo seid ihr, die ihr früher walltet
den schmalen, waldumsäunten Pfad
Ach ja, das Wandern ist veraltet
man geht nicht mehr, man fährt jetzt Rad

Die Zeiten haben sich geändert
der Pfad ist längst nicht mehr beliebt
Landstraßen, pappelbaumgerändert
sind´s, denen man den Vorzug gibt
Dort pflegt in pumpiger Behosung
so jung wie alt den Radfahrsport
„nur möglichst weit“ist ihre Losung
„nur möglichst grad und eben fort!“

Und kreuze ich auf meinem Pfade
die breite Straße dann und wann
so schauen mich von ihrem Rade
die Damen voller Mitleid an
weil ich von aller Fortbewegung
gewählt die kümmerlichste Art
O seid bedankt für diese Regung
die euere Güte offenbahrt

Ich liebe nun einmal zu pflücken
die Blume, die am Hang sich wiegt
und nach dem Steine mich zu bücken
der glitzernd an der Heide liegt
In rechter Nähe zu besehen
den Schmetterling auf schwankem Ast
nach Wasserkäfern auszuspähen
in dunkel schillerndem Morast

Das könnt ihr nicht, ob ihr auch eilet
hin durch das Land, dem Winde gleich
Was die Natur ringsum verteilet
an kleinen Reizen, überreich
bleibt unbemerkt und unbewundert
dem, den das Rad vorüberträgt
ob er auch Kilometer hundert
und mehr am Tag zurückgelegt

Drum mögen andre schwitzend treiben
das Tretrad stolz bergab bergan
ich will in alle Zukunft bleiben
ein unverdross´ner Wandersmann
Und allen denen, die da reisen wie ich
per Pedes, gilt mein Gruß
Wem Gott will rechte Gunst erweisen
den schickt er in die Welt – zu Fuß!

Text: Ph. St. , Köln am Rhein
Musik: nach “ Sind wir vereint zur guten Stunde

Die Schnecken

Rötlich dämmert es im Westen,
Und der laute Tag verklingt,
Nur daß auf den höchsten Ästen
Lieblich noch die Drossel singt.

Jetzt in dichtbelaubten Hecken,
Wo es still verborgen blieb,
Rüstet sich das Volk der Schnecken
Für den nächtlichen Betrieb.

Tastend streckt sich ihr Gehörne.
Schwach nur ist das Augenlicht.
Dennoch schon aus weiter Ferne
Wittern sie ihr Leibgericht.

Schleimig, säumig, aber stete,
Immer auf dem nächsten Pfad,
Finden sie die Gartenbeete
Mit dem schönsten Kopfsalat.

Hier vereint zu ernsten Dingen,
Bis zum Morgensonnenschein,
Nagen sie geheim und dringen
Tief ins grüne Herz hinein.

Darum braucht die Köchin Jettchen
Dieses Kraut nie ohne Arg.
Sorgsam prüft sie jedes Blättchen,
Ob sich nichts darin verbarg.

Sie hat Furcht, den Zorn zu wecken
Ihres lieben gnädgen Herrn.
Kopfsalat, vermischt mit Schnecken,
Mag der alte Kerl nicht gern.

Wilhelm Busch (1832-1908)

Beharrlichkeit

Beharrlichkeit ist Ausdauer im Ertragen und Überwinden von Schwierigkeiten. Sie ist nach PAULSEN eine Form der Tapferkeit, die Kraft des Willens, Beschwerden aller Art zu ertragen (Syst. d. Eth. II5, 25; vgl. SCHLEIERMACHER, Phil. Sittenl. § 315 ff.).

nach: Rudolf Eisler – Wörterbuch der philosophischen Begriffe (1904)

Diese Form der Tapferkeit kann man mit „Langmut“ übersetzen, lang andauerndem Mut.