Sprichworte zu Geduld und Langsamkeit mit D

    • Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. (Afrikanisches Sprichwort)
    • Das Höchste, was der Mensch besitzen kann, ist jene Ruhe, jene Heiterkeit, jener innere Friede, die durch keine Leidenschaft beunruhigt werden. (Immanuel Kant) –
    • Das Leben ist kurz, weniger wegen der kurzen Zeit, die es dauert, sondern weil uns von dieser kurzen Zeit fast keine bleibt, es zu genießen. (Jean-Jacques Rousseau.)
    • Dem, der sich mit Geduld wappnet, liegen keine Vorteile zu fern. (Jean de La Bruyère, Die Charaktere) –
    • Der Beginn der Weisheit ist Geduld  (Muzaffer Ozak)
    • Der Jammer mit der Menschheit ist, dass die Klugen feige, die Tapferen dumm und die Fähigen ungeduldig sind. Das Ideal wäre der tapfere Kluge mit der nötigen Geduld.   (Truman Capote)
    • Der Teufel lässt sich am besten mit der Geduld schlagen, denn er hat keine.  (Carl Gustav Jung)
    • Die Eile ist das Gegenteil der Geduld: Ungeduldig sucht sie zu beschleunigen, was eigentlich seine Zeit braucht. (Jürgen Dahl, Vom Geschmack der Lilienblüten) –
    • Die Geduld ist aller Schmerzen Arznei.   (Deutsches Sprichwort)
    • Die Liebe hat zwei Töchter: die Güte und die Geduld.   (Volksmund)

Sprichworte zu Geduld und Langsamkeit mit B

  • Besser ein Langmütiger als ein Kriegsheld, besser, wer sich selbst beherrscht, als wer Städte erobert. (Altes Testament, Sprüche Salomons 16, 32)
  • Bei den meisten Menschen ist die Ruhe nichts als Erstarrung und die Bewegung nichts als Raserei.  (Epikur von Samos)
  • Bäume sind Meister der Geduld: Sie bieten Schatten und liefern uns Obst, und Vögel nisten in ihren Zweigen. Und lehren sie uns nicht jedes Jahr, aufs neue mit frischem Mut wieder anzufangen?   (Dom Helder Camara)
  • Bewahre mich vor der Angst, ich könnte das Leben versäumen. Gib mir nichts, was ich mir wünsche, sondern was ich brauche. Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte  (Antoine de Saint-Exupéry)

Sprichworte zu Geduld und Langsamkeit mit A

  • Abwarten und Tee trinken
  • Ahme den Gang der Natur nach. Ihr Geheimnis ist die Geduld (Ralph Waldo Emerson)
  • Als ich meinen Schmerz auf dem Acker der Geduld pflanzte, brachte er die  Frucht des Glücks hervor. (Khalil Gibran)
  • Alles kommt zu dem von selbst, der warten kann
  • Ausdauer ist konzentrierte Geduld. (Thomas Carlyle)

Die Entdeckung der Langsamkeit

Sten Nadolny gelang mit seinem zweiten Roman „Die Entdeckung der Langsamkeit“ (1983) über die gescheiterte Expedition des britischen Seeoffiziers John Franklin zur Entdeckung der Nord-West-Passage der Durchbruch als Schriftsteller.

Inhalt: Der Roman erzählt das Leben des englischen Seefahrers und Nordpolforschers John Franklin (1786-1847), der schon als Jugendlicher an Seeschlachten teilnahm (Kopenhagen 1801, Trafalgar 1805). Sein Lebensziel war die Entdeckung der Nord-West-Passage nördlich des Nordamerikanischen Festlandes, der Verbindung von Atlantik und Pazifik. Nach zwei Arktisexpeditionen war Franklin kurzzeitig Gouverneur in Australien, bevor er auf der dritten Forschungsreise einen Schlaganfall erlitt und mit seiner Mannschaft im ewigen Eis starb.

Die Entdeckung der Langsamkeit ist zugleich Abenteuer- wie Entwicklungsroman. Nadolny greift die biografischen Fakten aus dem Leben Franklins auf, ergänzt das Porträt des Kapitäns jedoch um einen wesentlichen Punkt: Franklin ist ein langsamer Mensch, im Denken, Sprechen und Handeln, eigentlich zu langsam für die moderne Zeit der industriellen Revolution. Die vermeintliche Schwäche des Außenseiters wird jedoch als Ausdauer, Gründlichkeit und Gelassenheit zur Stärke.

Franklin entzieht sich der Beschleunigung des Zeitalters und setzt ihr seine Haltung und Anschauung entgegen, nach der jedes Individuum seinen Fähigkeiten entsprechend einen sinnvollen Beitrag zur Gesellschaft leisten kann. Damit ist er zugleich Kritiker der modernen Zivilisation wie als Forscher deren typischer Vertreter. Franklins Langsamkeit erscheint geradezu als Voraussetzung für eine humane Gesellschaft, getragen vom Respekt der Menschen untereinander und einem verantwortungsvollen Umgang.

Sein Prinzip bewährt sich sowohl auf der Polarexpedition wie in der Liebe. Zum Scheitern verurteilt ist lediglich sein Versuch, sein Vorgehen als Gouverneur einer Strafkolonie in der Politik einzuführen. Dennoch bleibt letztlich die Botschaft, dass seine umsichtige, bedächtige Art zum Frieden zwischen den Menschen und Völkern beiträgt.

Wirkung: Bereits drei Jahre vor Veröffentlichung des Romans verlieh die Klagenfurter Jury Nadolny für das fünfte Kapitel den Ingeborg-Bachmann-Preis. Die Entdeckung der Langsamkeit gilt bei Kritik und Publikum als das beste Werk des Autors und wurde in alle Weltsprachen übersetzt.

Der Autor: Nadolny, Sohn des Autorenpaars Isabella und Burkhard Nadolny, studierte Geschichte und Politikwissenschaft in Tübingen, Göttingen und Berlin. 1976 promovierte er mit einer Arbeit über „Abrüstungsdiplomatie in der Weimarer Republik“. Seine Tätigkeit als Studienrat gab er bereits 1977 wieder auf und arbeitete anschließend als Aufnahmeleiter beim Film. Nadolny plante eine Karriere als Regisseur, bevor er 1980 freier Schriftsteller wurde.

Auf der Grundlage eines von ihm verfassten Drehbuchs entstand sein erster Roman „Netzkarte“ (1981), der die großen Erwartungen der literarischen Öffentlichkeit nach dem Gewinn des Ingeborg-Bachmann-Preises 1980 etwas enttäuschte.

Sten Nadolny – * 29.7.1942 in Zehdenick / Havel Nach „Die Entdeckung der Langsamkeit“ gelangen Nadolny mit „Selim oder die Gabe der Rede“ (1990) und „Ein Gott der Frechheit“ (1994) weitere Publikumserfolge.

Quelle: Harenberg – Das Buch der 1000 Bücher, Meyers Lexikonverlag

Memento Mori

Ein Mensch, von Arbeit überhäuft,
indes die Zeit von dannen läuft,
hat zu erledigen eine Menge,
und kommt, so sagt man, ins Gedränge.

Inmitten all der Zappelnot
trifft ihn der Schlag, und er ist tot.
Was grad so wichtig noch erschienen,
fällt hin: Was bleibt von den Terminen?
Nur dieser einzige zuletzt:
Am Mittwoch wird er beigesetzt –
und schau, den hält er pünktlich ein,
denn er hat Zeit jetzt, es zu sein.

Eugen Roth

Fahrrad und Wandern – Lied eines Unmodernen

Heutzutage machen einige Zeitgenossen die “ Entdeckung der Langsamkeit „, vor nicht einmal hundert Jahre war es die “ Entdeckung der Geschwindigkeit “ , wie das folgende Lied verdeutlicht, das etwa um 1900 entstanden sein dürfte. Gefunden habe ich es im Liederbuch der freien Turner (1913):

Lied eines Unmodernen

Wie ist es doch im Mühlengrunde
so einsam heute und so still
Ob denn in schöner Morgenstunde
kein Mensch mehr richtig wandern will
Wo seid ihr, die ihr früher walltet
den schmalen, waldumsäunten Pfad
Ach ja, das Wandern ist veraltet
man geht nicht mehr, man fährt jetzt Rad

Die Zeiten haben sich geändert
der Pfad ist längst nicht mehr beliebt
Landstraßen, pappelbaumgerändert
sind´s, denen man den Vorzug gibt
Dort pflegt in pumpiger Behosung
so jung wie alt den Radfahrsport
„nur möglichst weit“ist ihre Losung
„nur möglichst grad und eben fort!“

Und kreuze ich auf meinem Pfade
die breite Straße dann und wann
so schauen mich von ihrem Rade
die Damen voller Mitleid an
weil ich von aller Fortbewegung
gewählt die kümmerlichste Art
O seid bedankt für diese Regung
die euere Güte offenbahrt

Ich liebe nun einmal zu pflücken
die Blume, die am Hang sich wiegt
und nach dem Steine mich zu bücken
der glitzernd an der Heide liegt
In rechter Nähe zu besehen
den Schmetterling auf schwankem Ast
nach Wasserkäfern auszuspähen
in dunkel schillerndem Morast

Das könnt ihr nicht, ob ihr auch eilet
hin durch das Land, dem Winde gleich
Was die Natur ringsum verteilet
an kleinen Reizen, überreich
bleibt unbemerkt und unbewundert
dem, den das Rad vorüberträgt
ob er auch Kilometer hundert
und mehr am Tag zurückgelegt

Drum mögen andre schwitzend treiben
das Tretrad stolz bergab bergan
ich will in alle Zukunft bleiben
ein unverdross´ner Wandersmann
Und allen denen, die da reisen wie ich
per Pedes, gilt mein Gruß
Wem Gott will rechte Gunst erweisen
den schickt er in die Welt – zu Fuß!

Text: Ph. St. , Köln am Rhein
Musik: nach “ Sind wir vereint zur guten Stunde

Die Schnecken

Rötlich dämmert es im Westen,
Und der laute Tag verklingt,
Nur daß auf den höchsten Ästen
Lieblich noch die Drossel singt.

Jetzt in dichtbelaubten Hecken,
Wo es still verborgen blieb,
Rüstet sich das Volk der Schnecken
Für den nächtlichen Betrieb.

Tastend streckt sich ihr Gehörne.
Schwach nur ist das Augenlicht.
Dennoch schon aus weiter Ferne
Wittern sie ihr Leibgericht.

Schleimig, säumig, aber stete,
Immer auf dem nächsten Pfad,
Finden sie die Gartenbeete
Mit dem schönsten Kopfsalat.

Hier vereint zu ernsten Dingen,
Bis zum Morgensonnenschein,
Nagen sie geheim und dringen
Tief ins grüne Herz hinein.

Darum braucht die Köchin Jettchen
Dieses Kraut nie ohne Arg.
Sorgsam prüft sie jedes Blättchen,
Ob sich nichts darin verbarg.

Sie hat Furcht, den Zorn zu wecken
Ihres lieben gnädgen Herrn.
Kopfsalat, vermischt mit Schnecken,
Mag der alte Kerl nicht gern.

Wilhelm Busch (1832-1908)

Beharrlichkeit

Beharrlichkeit ist Ausdauer im Ertragen und Überwinden von Schwierigkeiten. Sie ist nach PAULSEN eine Form der Tapferkeit, die Kraft des Willens, Beschwerden aller Art zu ertragen (Syst. d. Eth. II5, 25; vgl. SCHLEIERMACHER, Phil. Sittenl. § 315 ff.).

nach: Rudolf Eisler – Wörterbuch der philosophischen Begriffe (1904)

Diese Form der Tapferkeit kann man mit „Langmut“ übersetzen, lang andauerndem Mut.